Fallschirmspringen – Gleitschirmfliegen – Gleitschirmspringen?

- überraschende Verbindungen?

FSC FRANKEN e.V.
letzte Aktualisierung: 01.08.2004

Fsch-Thermikfliegen - Fsch-X-Country - Parasailing u. Bergfliegen mit Fsch - Gleitschirmfliegen - Gleitschirmspringen - Träume -
Initiative Gleitschirmspringen - Links

Vom "Fliegen" beim Fallschirmspringen

Kappenrelativ

Kappenrelativ
(Quelle: HFSC Freistadt)

Außer bei den Disziplinen "Zielspringen" und "Kappenrelativ" (s. Bild) liegt der Schwerpunkt des Fallschirmspringens eindeutig beim sog. "Sky-Diven" im "Freien Fall". Dieses "Körper-Fliegen" wird von den meisten Fallschirmspringern als eigentliches "Fliegen" angesehen.

Entsprechend wird die "Verweilzeit am offenen Schirm" von den Piloten durch Schirmauswahl und Flugtechnik meist zugunsten der Möglichkeit schnell anschließender weiterer Sprünge minimiert. Der "Flug" am offenen Schirm" ist prinzipiell oft nur noch "Mittel zum Zweck", welches sich für manche allenfalls noch durch schnelle und ggf. z.T. ebenso spektakuläre, wie gefährliche Flug- und Landemanöver für zusätzlichen Lustgewinn - oder als Mittel der Selbstdarstellung - eignet.

Kurz und überspitzt formuliert gilt: je schneller unten, desto "cooler" der "Fallschirm-Pilot" und für desto mehr Sprünge reicht die Zeit. Offene Schirme am Himmel "behindern" in dieser Fallschirmspringer-Philosophie nur das Starten des nächsten Absetzflugzeuges.

Dies war nicht immer so und wie folgend gezeigt, gibt es auch heute noch ein "Fliegen am Schirm" - sogar ohne Extremmanöver oder Kappenrelativ:

"Thermikfliegen", "Cross-Country", "Parasailing" und "Bergfliegen" mit Fallschirm

"Thermikfliegen" mit Fallschirm war und ist wohl hauptsächlich ein Zufall. Gerade zu Rundkappenzeiten freuten sich die Springer meisten jedoch wie Schneekönige, wenn sie zufällig in eine Ablösung oder gar einen Thermik-Bart gerieten und sich die sonst übliche Sinkphase von ca. 2,5 - 3,5 Minuten (800 - 1000 m Öffnungshöhe bei 5 m/sec Sinken) ggf. auf bis über 15 Min verlängerte. Bei den Zuschauern am Boden hielten sich Freude, Neid und Ärger über den "blockierten" Luftraum wohl die Waage.

Gewollte längere Flüge mit Fallschirmen erfolgen nach Schirmöffnung in größerer Höhe, vorzugsweise als sog. "Cross-Country". Hierbei werden die Springer in möglichst großer Höhe auf der windzugewandten Seite des Sprungplatzes abgesetzt und öffnen ihre Schirme unmittelbar nach Verlassen des Flugzeuges. In Abhängigkeit von Windgeschwindigkeit und Gleitzahl des Fallschirmes kann so ggf. eine größere Distanz zum Flugplatz geflogen werden. Bei einer Öffnungshöhe von 3000 m über Grund sowie angenommenen Sinkgeschwindigkeiten von 5 m /sek, einer Gleitzahl von 1:3 und 15 km/h Wind kann man somit auf einen immerhin ca. 12 km langen Flug hoffen und entsprechend weit vom Lande-/Flugplatz abspringen.

  Hochleistungsrundkappe Paracommander

Solche weiteren Flugstrecken "über Land" ermöglichte allerdings erst die Entwicklung moderner Fallschirme. Zu nennen sind hier Hochleistungs-Rundkappen, wie der "Paracommander" (s. Bild), sowie speziell die heute verbreiteten "Matrazen-" oder "Flächenfallschirme". (Um 1980 flogen vereinzelte alte Para-Commander und neuere Flächenfallschirme bei geeigneten Verhältnissen noch zusammen "Cross-Country".) Heute gibt es für militärische Anwendungen sogar spezielle Schirme (HAHO: high altitude high opening), die bei entsprechenden Absetzhöhen noch wesentlich weitere Flüge ermöglichen (-> Bsp).

Aber die Entwicklung gut steuerbarer und immer besser "fliegender" Fallschirme, speziell der Flächenfallschirme, ermöglichte letztlich auch eine "Nutzungsart" des Fallschirms, bei der der Flug am offenen Schirm nicht nur im Vordergrund stand, sondern bei der dies der einzige "Flugzustand" des "Springers" war und bei der nicht einmal ein Absetzflugzeug benötigt wurde:

Bereits 1968 starteten in Colorado 69 Piloten per Fussstart zu einem Flug in den Grand Canon und schon 1970 veröffentlichte Dan POYNTER im Parachutist Magazine einen Artikel über das "Slope Soaring". 1973 erschien sein Buch "Hang Gliding", in dem er als ähnliche Sportart auch "Paragliding" beschreibt. 1978 wurden drei Franzosen bekannt, als sie mit Flächensprungfallschirmen Fußstartversuche durchführten. Folgend entwickelte sich als "Abart" des Fallschirmspringens das sog. "Bergfliegen", bei dem mit geeigneten Sprungfallschirmen (s. Bild) Fuß-Bergstarts mit offenem Schirm erfolgten (nicht zu verwechseln mit Base-Jumps!).

Fallschirm Tornado 250 von FSH, Bj 1985, Bergflug-Wettbewerbsschirmtyp

In den französischen Hochalpen wurden anfangs der 80er sogar Wettbewerbe im Bergfliegen durchgeführt. Wegen der sehr geringen Gleitleistung der Fallschirme von max. 1 : 3 erfolgten Starts meist in gefährlich steilem Gelände und Rinnen. Der Flug war im wesentlichen auf ein schnelles Hinabfliegen ins Tal begrenzt.

Unter Fallschirmspringern ist diese Variante des "Fallschirmspringens" heute fast vergessen, denn mit "Springen" und dem "Fallen" oder "Fliegen" der Springer hatte dies nur noch entfernt zu tun und die Entwicklung wurde zudem schnell durch eine neu aufgekommene Sportart überrollt:

Gleitschirmfliegen als neue Sportart

Obwohl erste Hangstarts per Gleitschirm bereits 1965 2 Jahre vor dem ersten Fallschirm-Bergstart (!) erfolgten, ist Gleitschirmfliegen als eigenständige Sportart mit der Entwicklung spezieller Schirme dennoch erst parallel zum Bergfliegen entstanden. Die dafür entworfenen reinen Gleitschirmmodelle fussen letztlich auch nicht auf dem ersten Gleitschirm von 1965, sondern auf dem beim Bergfliegen verwendeten Parafoil-Schirmtyp. Anfangs wesentlich instabiler (!), aber kaum leistungsfähiger als entsprechende Sprungfallschirme, holten die neuen "Gleitschirme" in Punkto Sicherheit auf und übertrafen die zweckentfremdeten Fallschirme am Berg sowie einzelne spezielle "Bergflug- und Cross-Country-Fallschirm-Entwicklungen" schnell durch bessere Gleitwinkel und wesentlich besseres Handling. Gleitschirmfliegen setzte sich durch.

Während um 1986 Fallschirmspringer sogar noch aktiv und mangels Regelung "unbesehen" als "Gleitschirmlehrer" für die potentiell lukrative neue Sportart geworben wurden, haben sich, abgesehen von den zwischenzeitlichen gesetzlichen Regelungen, Sportarten und Sportgeräte mittlerweile tatsächlich so weit auseinander entwickelt, daß dies heute nicht mehr denkbar wäre. Die FallschirmSPRINGER haben sich fast ausschließlich auf ihr "Skydiven" zurückgezogen (s.o.) und überlassen das "Fliegen am offenen Schirm" den GleitschirmFLIEGERN. Für Könner sind bei entsprechenden Bedingungen und aus geeigneten Geländen heute mit Gleitschirm grundsätzlich Flüge über etliche Stunden und mehr als 100 km möglich!

Also - keine Verbindung mehr zwischen den ursprünglich zumindest verwandten "Fetzenflieger-Sportarten"? Wenn man viele Fallschirmspringer und Gleitschirmflieger so reden hört, sollte man das fast glauben. Aber da sind ja noch Fallschirmspringer, die das Gleitschirmfliegen angefangen haben und es gibt natürlich auch umgekehrte "Interessenten". Und ...

Gleitschirmspringen??

... zumindest aus Videos wissen wir, daß Gleitschirme auch als "Absetzflugzeuge" eingesetzt werden können (Clip von seattleparagliding.com). Darüber hinaus könnte man bei "Gleitschirm-Höhenrekorden" vom Ballon als "Absetzflugzeug" und bei in "Start-" bzw. "Trennungsphase" zumindest noch nicht vollständig geöffnetem "Gleitschirm" wohl trefflich streiten, um welche Sportart es sich handelt.

Ballonsprung/-flug?

Gleitschirmflug vom Ballon oder automat. Fallschirmsprung?
Aus einem Gleitschirm-Forumsbeitrag von Klaus (proton37) (Danke!)

-> Video-Clip von Absprung mit ähnlicher Konstruktion von GS-Tandem
(Clip von seattleparagliding.com)

Es scheint so, als wenn sich die Sportarten Fallschirmspringen und Gleitschirmfliegen einander, auch über die Ähnlichkeit der Fluggeräte hinaus, in einigen Bereichen wieder annähern. Als ursprünglich reiner Fallschirmsportclub, dessen Schwerpunkt mittlerweile das Gleitschirmfliegen ist, freuen wir uns über dieses "Back to the Roots".

Wir halten die leider oft beobachtete "Abschottung" der Sportarten untereinander (bis hin zum "Mehrfacherfinden") für falsch. Gleitschirmflieger, Drachenflieger, Ultraleichtflieger, Fallschirmspringer - wir alle sind Luftsportler und können ja vielleicht sogar voneinander lernen? Als Lobby gegen Nichtflieger sind wir allemal zusammen stärker! Und - wenngleich z.B. Ballone trotzdem partout nicht "fliegen", sondern "fahren", so kann man sie ja zumindest als Lande- und Startplatz brauchen und sie haben somit wenigstens mittelbar mit "Fliegen" zu tun (?!) Smiley:

Landung auf Ballon Auf dem Ballon Start vom Ballon Abflug vom Ballon

"Fallschirm-Wiederstart" nach "Gleitschirm-Landung" auf dem Ballon?
Quelle: Ozone-Paraglider, Pilot Hannes Arch (Red Bull Acro Team)

Der "Traum vom Fliegen" handelt jedenfalls vom "Fliegen" - und nicht von einem bestimmten Fluggerät und "Kombinationen" aller Art lassen den Stoff zum Träumen noch lange nicht ausgehen. Im übrigen, ...

Träume

... kann's "Gleitschirmspringen" auf "Niveau" automatischer Fallschirmsprünge doch noch nicht gewesen sein! Es muß ja kein langer "Freifall" vorausgehen, aber es wäre schon schön, wenn es "richtig" fallschirmsprungtaugliche und entsprechend zugelassene "Gleitschirme" gäbe!

- Der Traum von "Gleitschirmflügen" ohne Notwendigkeit von Schleppstrecken oder Bergstartgeländen ist jedenfalls mindestens so faszinierend, wie der ältere Traum von Bergstarts mit "Fallschirmen" - und letzterer wurde ja wahr!

Um reine Traumtänzerei handelt es sich hierbei keinesfalls: Einige Hersteller entwickeln tatsächlich in diese Richtung. Auch wenn's bis zu einer richtigen "Serienreife" offenbar leider noch etwas dauern wird, "Thermikeinstieg von oben" (!) mit anschließendem Streckenflug rückt näher!

Fallschirmgleiter

Fall-Gleitschirme, Gleit-Fallschirme oder "Fallschirmgleiter" ?? GZ 6:1 (Herstellerangaben):
links "
Prototyp CAP 19" von Nervures (F) -- rechts "Typ G-9" von Fallschirm-Service Herbst (D)

Aus Träumen wird Wirklichkeit

Aktueller Stand der Dinge: Der CAP 19 wird gemäß Info von Nervures durch den "DENALI 28 abgelöst ("Glide ratio 7:1 & 1,3 m/s sink rate reached with a parachute. See report concerning Denali test Aerial N° 26 Oct , Nov 2002"). Die Entwicklung wird fortgesetzt, wenngleich z.Zt. "without any busisness commercial purposes until we conclude a partnership with a parachute manufacturer".

Zefix, ihr Fallschirmhersteller! Macht hinne! Wir warten und werden nicht jünger Smiley

(Bild-Quelle: Aerial N° 26 Oct , Nov 2002)

Hybrid Denali 28, Nervures

Valluna :

 

Kein Gleit-Fallschirm, aber trotzdem ein "Traum":
Gleitschirm "Valluna" ("Dreams gate" in Quechua language) von Nervures, einem für Träume offenen Hersteller?

Quelle: Homepage von Nervures (F)

(Übrigens weisen wir an dieser Stelle gerne auch auf entsprechende Entwicklungen anderer Hersteller hin! Nix lieber, als das!)

Initiative Gleitschirmspringen/Fallschirmgleiten

Der FSC FRANKEN e.V., als Gleitschirm- UND Fallschirm-Sportclub unterstützt die Entwicklung vorerst durch eine zentrale Info-Sammlung, bzw. durch die Schaffung eines Internet-Portals "Gleitschirmspringen/Fallschirmgleiten".)


Dieser Text ist stark durch persönliche Meinung und Erfahrung geprägt und soll daher nicht anonym im Raum stehen. Der Autor, Harald Rost, (z.Zt. 1. Vorstand des FSC [s. Kontakt], Fallschirmspringer seit 1981, "Bergflieger" seit 1985, Gleitschirmflieger seit 1990) ist sich bewußt, daß der Beitrag ggf. auch ein gewisses Potential zur "Kontroverse" beinhaltet und freut sich über event. Diskussionen.
-> s.a. folgende Threads im Gleitschirmforum:
  • 1. Fallschirmspringen UND Gleitschirmfliegen
  • 2. "Luftstart" - neues Geländepotential?
  • 3. Mit Gleitschirm aus Flugzeug/Ballon/Hubschrauber ...

    sowie Bruno Passe (1998): Parachute or Paragliders.- PARAMAG No 135 Août 1998 (Französisch)
    und Anonymus (2002): Parachute de performance.- Aerial N° 26 Oct , Nov 2002


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