Vom "Fliegen" beim Fallschirmspringen
Kappenrelativ |
Außer bei den Disziplinen "Zielspringen" und "Kappenrelativ" (s. Bild) liegt der Schwerpunkt des Fallschirmspringens eindeutig beim sog. "Sky-Diven" im "Freien Fall". Dieses "Körper-Fliegen" wird von den meisten Fallschirmspringern als eigentliches "Fliegen" angesehen.
Entsprechend wird die "Verweilzeit am offenen Schirm" von den Piloten durch Schirmauswahl und Flugtechnik meist zugunsten der Möglichkeit schnell anschließender weiterer Sprünge minimiert. Der "Flug" am offenen Schirm" ist prinzipiell oft nur noch "Mittel zum Zweck", welches sich für manche allenfalls noch durch schnelle und ggf. z.T. ebenso spektakuläre, wie gefährliche Flug- und Landemanöver für zusätzlichen Lustgewinn - oder als Mittel der Selbstdarstellung - eignet.
Kurz und überspitzt formuliert gilt: je schneller unten, desto "cooler" der "Fallschirm-Pilot" und für desto mehr Sprünge reicht die Zeit. Offene Schirme am Himmel "behindern" in dieser Fallschirmspringer-Philosophie nur das Starten des nächsten Absetzflugzeuges.
Dies war nicht immer so und wie folgend gezeigt, gibt es auch heute noch ein "Fliegen am Schirm" - sogar ohne Extremmanöver oder Kappenrelativ: |
"Thermikfliegen" mit Fallschirm war und ist wohl hauptsächlich ein Zufall. Gerade zu Rundkappenzeiten freuten sich die Springer meisten jedoch wie Schneekönige, wenn sie zufällig in eine Ablösung oder gar einen Thermik-Bart gerieten und sich die sonst übliche Sinkphase von ca. 2,5 - 3,5 Minuten (800 - 1000 m Öffnungshöhe bei 5 m/sec Sinken) ggf. auf bis über 15 Min verlängerte. Bei den Zuschauern am Boden hielten sich Freude, Neid und Ärger über den "blockierten" Luftraum wohl die Waage.
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Solche weiteren Flugstrecken "über Land" ermöglichte allerdings erst die Entwicklung moderner Fallschirme. Zu nennen sind hier Hochleistungs-Rundkappen, wie der "Paracommander" (s. Bild), sowie speziell die heute verbreiteten "Matrazen-" oder "Flächenfallschirme". (Um 1980 flogen vereinzelte alte Para-Commander und neuere Flächenfallschirme bei geeigneten Verhältnissen noch zusammen "Cross-Country".) Heute gibt es für militärische Anwendungen sogar spezielle Schirme (HAHO: high altitude high opening), die bei entsprechenden Absetzhöhen noch wesentlich weitere Flüge ermöglichen (-> Bsp). |
Bereits 1968 starteten in Colorado 69 Piloten per Fussstart zu einem Flug in den Grand Canon und schon 1970 veröffentlichte Dan POYNTER im Parachutist Magazine einen Artikel über das "Slope Soaring". 1973 erschien sein Buch "Hang Gliding", in dem er als ähnliche Sportart auch "Paragliding" beschreibt. 1978 wurden drei Franzosen bekannt, als sie mit Flächensprungfallschirmen Fußstartversuche durchführten. Folgend entwickelte sich als "Abart" des Fallschirmspringens das sog. "Bergfliegen", bei dem mit geeigneten Sprungfallschirmen (s. Bild) Fuß-Bergstarts mit offenem Schirm erfolgten (nicht zu verwechseln mit Base-Jumps!).
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In den französischen Hochalpen wurden anfangs der 80er sogar Wettbewerbe im Bergfliegen durchgeführt. Wegen der sehr geringen Gleitleistung der Fallschirme von max. 1 : 3 erfolgten Starts meist in gefährlich steilem Gelände und Rinnen. Der Flug war im wesentlichen auf ein schnelles Hinabfliegen ins Tal begrenzt. |
Gleitschirmfliegen als neue Sportart
Obwohl erste Hangstarts per Gleitschirm bereits 1965 2 Jahre vor dem ersten Fallschirm-Bergstart (!) erfolgten, ist Gleitschirmfliegen als eigenständige Sportart mit der Entwicklung spezieller Schirme dennoch erst parallel zum Bergfliegen entstanden. Die dafür entworfenen reinen Gleitschirmmodelle fussen letztlich auch nicht auf dem ersten Gleitschirm von 1965, sondern auf dem beim Bergfliegen verwendeten Parafoil-Schirmtyp. Anfangs wesentlich instabiler (!), aber kaum leistungsfähiger als entsprechende Sprungfallschirme, holten die neuen "Gleitschirme" in Punkto Sicherheit auf und übertrafen die zweckentfremdeten Fallschirme am Berg sowie einzelne spezielle "Bergflug- und Cross-Country-Fallschirm-Entwicklungen" schnell durch bessere Gleitwinkel und wesentlich besseres Handling. Gleitschirmfliegen setzte sich durch.
Während um 1986 Fallschirmspringer sogar noch aktiv und mangels Regelung "unbesehen" als "Gleitschirmlehrer" für die potentiell lukrative neue Sportart geworben wurden, haben sich, abgesehen von den zwischenzeitlichen gesetzlichen Regelungen, Sportarten und Sportgeräte mittlerweile tatsächlich so weit auseinander entwickelt, daß dies heute nicht mehr denkbar wäre. Die FallschirmSPRINGER haben sich fast ausschließlich auf ihr "Skydiven" zurückgezogen (s.o.) und überlassen das "Fliegen am offenen Schirm" den GleitschirmFLIEGERN. Für Könner sind bei entsprechenden Bedingungen und aus geeigneten Geländen heute mit Gleitschirm grundsätzlich Flüge über etliche Stunden und mehr als 100 km möglich!
Also - keine Verbindung mehr zwischen den ursprünglich zumindest verwandten "Fetzenflieger-Sportarten"? Wenn man viele Fallschirmspringer und Gleitschirmflieger so reden hört, sollte man das fast glauben. Aber da sind ja noch Fallschirmspringer, die das Gleitschirmfliegen angefangen haben und es gibt natürlich auch umgekehrte "Interessenten". Und ...
... zumindest aus Videos wissen wir, daß Gleitschirme auch als "Absetzflugzeuge" eingesetzt werden können (Clip von seattleparagliding.com). Darüber hinaus könnte man bei "Gleitschirm-Höhenrekorden" vom Ballon als "Absetzflugzeug" und bei in "Start-" bzw. "Trennungsphase" zumindest noch nicht vollständig geöffnetem "Gleitschirm" wohl trefflich streiten, um welche Sportart es sich handelt.
Gleitschirmflug vom Ballon oder automat. Fallschirmsprung?
Aus einem Gleitschirm-Forumsbeitrag von Klaus (proton37) (Danke!)
-> Video-Clip von Absprung mit ähnlicher Konstruktion von GS-Tandem
(Clip von seattleparagliding.com)
Es scheint so, als wenn sich die Sportarten Fallschirmspringen und Gleitschirmfliegen einander, auch über die Ähnlichkeit der Fluggeräte hinaus, in einigen Bereichen wieder annähern. Als ursprünglich reiner Fallschirmsportclub, dessen Schwerpunkt mittlerweile das Gleitschirmfliegen ist, freuen wir uns über dieses "Back to the Roots".
Wir halten die leider oft beobachtete "Abschottung" der Sportarten untereinander (bis hin zum "Mehrfacherfinden") für falsch. Gleitschirmflieger, Drachenflieger, Ultraleichtflieger, Fallschirmspringer - wir alle sind Luftsportler und können ja vielleicht sogar voneinander lernen? Als Lobby gegen Nichtflieger sind wir allemal zusammen stärker! Und - wenngleich z.B. Ballone trotzdem partout nicht "fliegen", sondern "fahren", so kann man sie ja zumindest als Lande- und Startplatz brauchen und sie haben somit wenigstens mittelbar mit "Fliegen" zu tun (?!)
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"Fallschirm-Wiederstart" nach "Gleitschirm-Landung" auf dem Ballon?
Quelle: Ozone-Paraglider, Pilot Hannes Arch (Red Bull Acro Team)
Fall-Gleitschirme, Gleit-Fallschirme oder "Fallschirmgleiter" ?? GZ 6:1 (Herstellerangaben):
links "Prototyp CAP 19" von Nervures (F) -- rechts "Typ G-9" von Fallschirm-Service Herbst (D)
Aus Träumen wird Wirklichkeit
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Aktueller Stand der Dinge: Der CAP 19 wird gemäß Info von Nervures durch den "DENALI 28 abgelöst ("Glide ratio 7:1 & 1,3 m/s sink rate reached with a parachute. See report concerning Denali test Aerial N° 26 Oct , Nov 2002"). Die Entwicklung wird fortgesetzt, wenngleich z.Zt. "without any busisness commercial purposes until we conclude a partnership with a parachute manufacturer". Zefix, ihr Fallschirmhersteller! Macht hinne! Wir warten und werden nicht jünger (Bild-Quelle: Aerial N° 26 Oct , Nov 2002) |
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Kein Gleit-Fallschirm, aber trotzdem ein "Traum":
Quelle: Homepage von Nervures (F)
(Übrigens weisen wir an dieser Stelle gerne auch auf entsprechende Entwicklungen anderer Hersteller hin! Nix lieber, als das!) |
Initiative Gleitschirmspringen/Fallschirmgleiten
Der FSC FRANKEN e.V., als Gleitschirm- UND Fallschirm-Sportclub unterstützt die Entwicklung vorerst durch eine zentrale Info-Sammlung, bzw. durch die Schaffung eines Internet-Portals "Gleitschirmspringen/Fallschirmgleiten".)
sowie
Bruno Passe (1998): Parachute or Paragliders.- PARAMAG No 135 Août 1998 (Französisch)
und Anonymus (2002): Parachute de performance.- Aerial N° 26 Oct , Nov 2002