Der Gleitschirm

FSC FRANKEN e.V.


Geschichte des Gleitsegelfliegens

Das Gleitsegel

Der Amerikaner David BARISH kann wohl als "Vater des Gleitsegelfliegens" gelten. Er hatte bereits 1964 im Rahmen neuer Fallschirmentwicklungen für die Raumfahrt einen dreibogigen +/- rechteckigen Einzelfächen-Fallschirm patentiert, aus dem er folgend gezielt eine 5-bogige Form entwickelte, um damit Gleitflüge nach Fussstarts vom Berg durchzuführen. Mit diesem "Sailwing" führte er im September 1965 in den Cat Hills vom Mt. Hunter in Bel Air im Staat New York den wohl ersten "Gleitschirmflug" der Geschichte aus!

Sailwing

Der erste "Gleitschirm":
David Barish's Sailwing von 1965!

(Lift/Drag of 4.2, sink rate of 3 m/s. Launching in the Hunter Mountains ski slopes, NY, USA. 15 Oct 1965.)
(Quelle: Paragliding's "Believe it or not !" von Jérôme Daoust)

Heutige Fallschirme und Gleitschirme beruhen zwar letztlich eher auf dem zweiflächigen mehrzelligen Fallschirmkonzept des "Para-Foil" von Domina JALBERT (ebenfalls 1964), doch der erste "Bergflug" mit einem Parafoil-System wurde offenbar erst 1967 von Walter NEUMARK ausgeführt und datiert somit 2 Jahre später, als die ersten Gleitsegelflüge BARISH's. Zusätzlich kann der Sailwing, hauptsächlich, wenn nicht ausschliesslich für diesen Zweck gebaut, tatsächlich als "echter Gleitschirm" gelten, während der Parafoil trotz seiner späteren Bergstartfähigkeit von der eigentlichen Intention her letztlich immer Fallschirm blieb.

BARISH, somit Konstrukteur und Pilot des ersten "Gleitschirms", ist darüber hinaus auch Vater der Idee des "Gleitschirmfliegens" als weiter verbreitete Sportart: Bereits 1966, ein Jahr vor dem Bergflug-Debüt des Parafoil, propagierte Dave BARISH mit seinem Sohn mittels öffentlicher Vorführungen in Skigebieten sein "Slope Soaring" als neue Sportart und Touristenattraktion, die u.a. Skiliften zu einem Sommergeschäft verhelfen könnte. Promotion-Zwecken dienten auch die 1966/68 von BARISH zusammen mit Dan POYNTER u.a. in Catamont und Lake Placid durchgeführten "Gleitschirmflüge" an den dortigen Skischanzen. Doch die Zeit war, wie Dave rückblickend selbst meint, wohl noch nicht reif: "Wir puschten den Sport damals nur als neue lustige Möglichkeit des Downhill." Zudem dachte damals keiner daran, dass in Thermik oder dynamischen Hangaufwinden vielleicht längere Flüge möglich sein könnten. Jeder hielt es für eine reine "Spasssportart", wie man heute sagen würde, und die Resonanz blieb insgesamt bescheiden.

Erst in den 70-ern, nach mehreren Veröffentlichungen von Dan POYNTER drang "Slope Soaring/Gleitsegeln" in das Bewusstsein einer etwas grösseren Öffentlichkeit. Dennoch blieb es letztlich lange eine relativ unbedeutende "Spezialsparte" des Fallschirmsports, bis es sich um 1985 schliesslich als eigene Sportart emanzipierte und in die 90er hinein richtig "boomte" (s.a. Geschichte des Gleitsegelfliegens)

Heutige Gleitsegel sind elliptische Tragflächen von 20 bis 30 qm, deren Kammern im Flug durch Staudruckluft gefüllt und versteift werden. Verbunden ist der Pilot mit dem Gleitsegel durch die von der Segelunterseite herablaufenden Fangleinen und das Gurtzeug. Das Gleitsegel wird normalerweise durch eine rechte und linke Steuerleine, die das Gleitsegel einseitig abbremsen, gesteuert. Gleichzeitige Betätigung beider Steuerleinen vermindert die Fluggeschwindigkeit. Die Gleitleistung moderner Gleitsegel liegt bei ca. 1 : 7. Für Könner sind bei entsprechenden Bedingungen und aus geeigneten Geländen heute grundsätzlich Flüge über etliche Stunden und mehr als 100 km möglich!

Obwohl auf dem selben Prinzip von JALBERT beruhend, haben sich die modernen Fall- und Gleitschirme aufgrund aerodynamischer und technischer Anpassungen an die Anforderungen des jeweiligen Sports mittlerweile so weit auseinanderentwickelt, daß ein Fallschirm für Bergstarts heute grundsätzlich ebenso ungeeignet ist, wie ein Gleitschirm für Fallschirmabsprünge.