Unser Sport
Drachenfliegen = Hängegleiten = Deltafliegen (HG)
Gleitschirmfliegen = Gleitsegeln = Paragleiten (PG od. GS)
Der Traum vom Fliegen
Wie alt ist eigentlich des Menschen Traum vom Fliegen? Nun, vielleicht sogar älter als unsere Art Homo sapiens. Wahrscheinlich sind bereits frühe Homo erectus-Formen angesichts vielfältiger Bedrohungen in ihrer Eigenschaft als zweibeinige Proteinträger schlicht vor Neid erblaßt, angesichts der genialen, für den eigenen Nahrungserwerb wiederum jedoch sehr unpraktischen Fluchtmöglichkeit ihres gefiederten potentiellen Essens. Ein echter "Traum" wurde das Fliegen allerdings vermutlich erst mit der Entwicklung mystischer Vorstellungen der Frühmenschen. Wir wagen hier einfach frech - fachlich aber durchaus fundiert - eine grobe Altersschätzung mit rund 500 000 Jahren vor unserer Zeitrechnung. Damit wäre der "Traum Fliegen" gut doppelt so alt, wie unsere Art Homo sapiens und die Weiterentwicklung zum Homo sapiens volaris, dem fliegenden Menschen scheint so fast zwingend vorprogrammiert :-).
Leichter als die Datierung des Traum-Beginns dürfte in gewisser Weise die Frage nach dem Trauminhalt zu beantworten sein. Dieser orientierte sich anfangs sicher an den Beispielen der Natur - und wenn man fliegende Insekten und Fische außer Acht läßt (vermutlich verzeihen sie es uns), so bleiben die Vögel als Inspiration. Praktisch alle Gattungen die uns auch heute noch so imponieren, gab es auch damals schon und da die Frage nach einer technischen Umsetzbarkeit des Fliegens und das Wissen um Thermik sicher noch außen vor blieb, handelten die ersten Träume wahrscheinlich von einem "vogelgleich-lautlos-über-die-Landschaft-Schweben".
Die Umsetzung des Traums
Unsere Freunde unter den Motor- und Segelfliegern, Ballonfahrern und Fallschirmspringern mögen uns insektengleich (;-)) verzeihen, aber zumindest der Verwirklichung dieses ursprünglichen Traums kommen Drachen- und Gleitschirmflieger heute wohl am nächsten: Ihr vogelgleiches Schweben, Dahingleiten und Steigen ohne kabinenhüllenbedingte Trennung vom tragenden Medium Luft, ohne die windbestimmte Flugroutenwahl der Ballonfahrer und mit deutlich besserem Gleitwinkel als die ebenfalls hüllenlosen Fallschirmspringer ;-) entspricht dem laut- und flügelschlaglosen Vogelflug für menschliche Verhältnisse fast perfekt. Vergleicht man angeblich vorkommende gelegentliche gedämpfte Freudenjauchzer mit dem freudigen Schnattern oder Krächzen der Vögel, so erinnert einzig der vermutlich etwas lautere Fahrtwind den Piloten ab und an an sein "Menschsein" :-)
Im Vergleich zu den anderen Flugsportarten und im Gegensatz zum hohen Alter des Traums vom lautlosen Fliegen, sind Drachen- und Gleitschirmfliegen jedoch noch verhältnismäßig jung: Für das Drachenfliegen in Deutschland stellte bei vielen sicher erst der Flug des Amerikaners Mike Harker von der Zugspitze im April 1973 eine Art Initialzündung für das konkrete "Leben des Traums" dar und Gleitschirmfliegen kann in Deutschland eigentlich sogar erst mit der offiziellen Zulassung durch das Bundesverkehrsministerium 1987 und der Übergabe der Zuständigkeit an den Deutschen Hängegleiterverband (DHV) als anerkannt gelten, obwohl der erste Gleitschirmflug bereits 1964 (!) (-> GS-Geschichte), der erste dokumentierte "Drachenflug" gar schon am 31.05.1811 (erfolgreichere Testflüge nichtöffentlich vermutlich früher!) stattfanden (s.a. Literaturtip).
Start und Landung erfolgen in Deutschland auf Fluggeländen, die vom DHV nach § 25 LuftVG zugelassen werden. Der regionale Schwerpunkt für den Gleitschirm- und Drachenflugsport lag zunächst im Alpenraum. Mit Verbesserung der Flugleistung der Geräte haben sich weitere Schwerpunkte in den deutschen Mittelgebirgen entwickelt und seit dem Einsatz von Schleppwinden auch im Flachland.
Mit einer Gleitleistung von ca. 1 : 12 können heutige Drachen bei einem Höhenunterschied von 1000 m bis zu 12 km zurücklegen. Die Gleitleistung moderner Gleitsegel liegt bei ca. 1 : 7. Dieser Unterschied relativiert sich mittlerweile jedoch stark, da für Könner bei entsprechenden Bedingungen mit beiden Geräten aus geeigneten Geländen mit Thermik oder in dynamischem Hangaufwind heute grundsätzlich Flüge über etliche Stunden und z.T. deutlich mehr als 100 km möglich sind: Die aktuellen Strecken-Rekorde, aufgestellt in Zapata, Texas, liegen im Drachenfliegen bei 700,6 km (Manfred Ruhmer, A, 2001), beim Gleitschirmfliegen bei 502,9 km (Nevil Hullet, 14. Dezember 2008 in Copperton, Südafrika). Einen offiziellen Rekord beim Kappenrelativ bzw. Kappenformationsfliegen gibt es im Gleitschirmfliegen dagegen bisher nicht und die Gleitschirmflieger hätten an dem von den Fallschirmspringern vorgelegten aktuellen Rekord wohl auch "gut zu beißen" (-> mehr zu Rekorden), obwohl das Potential der im Vergleich zum Fallschirmspringen wesentlich höheren Gesamtzahl an Piloten hier für die Zukunft einiges erwarten läßt:
Heute üben in Deutschland etwa 35.000 Piloten diese flugplatzunabhängigen Natursporten aktiv aus, die Anzahl derjenigen, die weiter nur vom lautlosen Fliegen Träumen ist unbekannt :-)
Nachsatz: Gefressen wird nur deshalb, weil er nicht fliegen kann, allerdings kaum einer mehr.
Weitere Informationen
-> Unsere Motivation zum Fliegen
Drachen- und Gleitschirmflieger erzählen selbst von Ihren Beweggründen
(Forumsbeiträge)
-> Faszination Fliegen
Hintergrundinfo des DHV zum Gleitschirm- und Drachenfliegen (PDF)
-> Flugsport und Naturschutz (-> DHV)
-> Der Drachen (-> DHV) - Fluggerät, Rekorde, Geschichte etc.
(Zur Drachengeschichte s.a. Albrecht Berblinger und unsere Lit-Empfehlung)
-> Das Gleitsegel
-> Ausbildung (-> DHV)
-> Geschichte des Gleitsegelfliegens
-> 1. Hängegleitermuseum der Welt
-> Otto Lilienthal-Museum
-> Rekonstruktion und Nachbau historischer Gleitflugzeuge - Das Online-Buch dazu:
NITSCH STEPHAN (†): Vom Sprung zum Flug. - Free PDF-Download (3,39 MB)
-> Fallschirmspringen – Gleitschirmfliegen - Gleitschirmspringen?
- vom Fallschirmspringen, über's "Bergfliegen" und Streckenfliegen mit
Gleitschirm zum "Gleitschirmspringen"?
Bilder und Kurzfilme vom Sport
-> Azoom.com
-> Nova-Gallery
-> Nostalgie
-> Sehenswerte Drachen-Galerie von Oliver Barthelmes
-> Gleitschirm Kappenrelativ: Bild- und Video-Galerie der Renegades
-> DHV-TV
Weitere Links
Internetjournal "Lahme Ente" von Armin Appel und Wolfgang Jauch
EuroPG, The Official Web Pages of the European Paragliding Distribution List
Windtabelle, m/sec, km/h, bf, Bezeichnung
Panorama-Cams im Gebirge: Bergruf.de, Feratel.com
Stau ins Gebirge?
Austrocontrol - Flugwetter
Spezial-Links
"Paraalpin.de" - Bergsteigen und Gleitschirmfliegen - für Freunde des schweisstreibendenden Aufstiegs
UL-Plätze/Motorschirm-Plätze Süddeutschland
"Fallschirm-Links" - auch für interessierte Gleitschirmflieger
Initiative Gleitschirmspringen/Fallschirmgleiten - "Gleitschirm-Luftstart"
weitere Kitevideos auf www.flysurfer.de
Sicherheit
Kernstücke der Sicherheit sind ein zugelassenes Fluggerät "mit Gütesiegel", geeignete persönliche Ausrüstung und eine ordnungsgemäße Pilotenausbildung. Für eventuelle Notfälle ist es bei Höhenflügen vorgeschrieben, ein Rettungsgerät mitzuführen, das aus einem speziell zugelassenen Fallschirm besteht. Werden dann noch die allgemeinen Sicherheitsgrundsätze wie Flugvorbereitung, Betriebsgrenzen, Ausweichregeln, Lufträume etc. beachtet, steht einem sicheren Flugbetrieb nichts im Wege.
-> DHV-Sicherheitsmitteilungen, Sicherheitsjournal, Unfälle, Sicherheitslexikon
-> Erste HilfeOnline.de, Ersthelfer-Info von BRK Bereitschaft Stein
Disziplinen und Wettbewerbe
Als "Disziplinen" könnten im Gleitschirm- und Drachensport wohl Streckenfliegen und Akro(-batik)/Kunstflug sowie beim Gleitschirmfliegen (analog zum Fallschirmspringen) zusätzlich das Kappenrelativ bzw. Kappenformationsfliegen angesehen werden - sofern letzteres nicht aus praktischen Erwägungen wegen seiner bisher geringen Verbreitung und fehlender Wettbewerbe nicht auch dem offiziell bisher noch nicht anerkannten Akro als Spezialdisziplin zugeschlagen wird. Leistungsmäßig stehen die Gleitschirm-Kappenformationen denen der Fallschirmspringer außer beim "Größenrekord" (s.a. Rekorde) dennoch nicht nach. Als eindrucksvoller Beweis hierfür kann die spektakulärste Flugfigur der "Renegades", der "Hangover" dienen, eine Kappenrelativ-Formation der Welt-Spitzenklasse, wie sie unseres Wissens nach überhaupt auch nur ein Fallschirm-Team fliegt.
Ziellandungen sind (im Gegensatz zum Fallschirmsport) i.d.R. auch eher Teil inoffizieller lokaler Wettbewerbe oder spaßige Beendigung regulärer Flüge und wären als "Disziplin" beim Gleitschirmfliegen daher bisher wohl ebenfalls überbewertet.
-> DHV-XC, Ausschreibungen
-> DHV-XC
-> Ostbayerncup, DER Streckenflugwettbewerb im bayerischen "Flachland"
Rekorde
- Freie Strecke: Drachen: 700 km (Manfred Ruhmer, A, 2001), Zapata/Texas
Gleitschirm: 502,9 km (Nevil Hullet, 14. Dezember 2008, Südafrika)
- Kappenrelativ: im Gegensatz zum Fallschirmsport kein offizieller Rekord
insgesamt kleine Formationen, keine Wettbewerbe
- Ziellandung: im Gegensatz zum Fallschirmsport keine offiziellen Wettbewerbe
- Alle FAI-Weltrekorde Gleitschirmfliegen (HG+PG)
- Alle Rekorde, Rekord Zielflug wiedereingeführt (-> DHV)
Literaturempfehlung zum Thema für nichtfliegbare Tage
ONLINE: "Der Schneider von Ulm, Geschichte eines 200 Jahre
zu früh geborenen"
von Max Eyth - Dichterisch frei nachempfundene "Vita" des Albrecht Berblinger (1770-1829)
Nicht nur für "mitfiebernde" Flieger und geschichtlich Interessierte sehr lesenswert, wenngleich sich Eyth's "200 Jahre-Schätzung" im Nachhinein glatt als zu hoch erwiesen hat: Als reiner Drachen-Sportflieger wäre Berblinger wohl nur ca. 160 Jahre, als Konstrukteur gerade mal runde 100 Jahre zu früh geboren gewesen - wenn überhaupt! Man stelle sich nur vor, seine Vorführung wäre an besser geeignetem Ort geglückt (sein Fluggerät konnte nämlich nachweislich fliegen!) oder er hätte einen geeigneten "Sponsor" gefunden! Ggf. müßte dann nicht nur die Fluggeschichte umgeschrieben werden.
Quelle: www.tandemtaxi.de
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